I. Geschichte des Fliegerhorstes

Im Jahre 1934 kaufte die Stadt Diepholz ein Gelände im Willenberger Masch zur Errichtung eines Militärflugplatzes. Das neu erworbene Gelände wurde durch die Stadt an die Firma „Deutsche Luftfahrts- und Handels AG“ weiter veräußert. Die Deutsche Luftfahrts- und Handels AG begann bereits kurze Zeit später mit dem Aufbau des Flugplatzes. Im März 1936 übernahm der „Luftpark Diepholz“, ein Logistikverband der Luftwaffe, den Flugplatz. Es folgten der Bau von Lager- und Flugzeughallen, Werkstätten und Kasernenbauten sowie der Bau eines Eisenbahnanschlusses an den Diepholzer Bahnhof.
Ab 1937 stationierte die Luftwaffe den ersten fliegenden Verband auf dem Fliegerhorst. Erst im Jahre 1940 wurde eine lange Start- und Landebahn aus Betonplatten gebaut. Zwei massiv aus Beton gebaute Flakstellungen (eine bei St.-Hülfe, die andere in der Graftlage) sollten den Fliegerhorst vor gegnerischen Luftangriffen weiträumig schützen. Zwischen 1940 und 1943 erfolgten 13 Luftangriffe auf den Fliegerhorst, bei denen insgesamt 78 Bomben fielen. Am 21. Februar 1944 kam es zu einem Großangriff auf den Fliegerhorst mit 90 viermotorigen Bombern der Amerikaner. Die Einrichtungen des Flugplatzes erlitten dabei starke Schäden. Nach diesem Angriff wurden keine weiteren fliegenden Verbände verzeichnet. Am 6. April 1945 erfolgte die Besetzung des Fliegerhorstes durch britische Truppen. Die Royal Air Force nutzte kurzfristig den Flugplatz, um britische Kriegsgefangene in ihre Heimat auszufliegen. Danach war der Fliegerhorst zunächst zur landwirtschaftlichen und gewerblichen Nutzung vorgesehen.
Erst mit der Gründung der Bundeswehr 1956 wurde der Fliegerhorst reaktiviert. Er diente fortan der Logistik, Instandsetzung, Ausbildung und der Luftwaffeninfrastruktur. Am 22. Oktober 1958 konnte die neue Startbahn in Betrieb genommen werden und somit auch der Flugbetrieb in Diepholz wieder ermöglicht werden. Die große Zahl von Soldaten und Zivilbediensteten trug in den 1960er Jahren wesentlich zum Anstieg der Einwohnerzahlen von Diepholz bei. Allein zwischen 1957 und 1967 wurden dort 600 neue Wohnungen fertiggestellt, die noch heute das Stadtbild prägen.
In den 1980er Jahren gehörte der Fliegerhorst Diepholz zu einem Erweiterungsprogramm der NATO, um im Kalten Krieg ggf. eine Staffel US-Flugzeuge zur Verstärkung zu schicken. Der Fliegerhorst gewann dadurch an Bedeutung.
Die aus dem Ende des Ost-West-Konfliktes resultierende Wiedervereinigung Deutschlands, die Neuorientierung der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik und die daraus resultierende Anpassung an neue Bedrohungsszenarien leiteten für die Bundeswehr politisch sowie strukturell einen Erneuerungsprozess ein. So äußert sich die vollständige Souveränität der Bundesrepublik Deutschland darin, dass die Bundeswehr seit 12.07.1994 bei durch den Bundestag mandatierten Einsätzen (auch Kampfeinsätze) im Ausland eingesetzt wird. Dies betraf auch die Soldaten des Fliegerhorst Diepholz, die seitdem in verschiedenen Funktionen in den Einsatzgebieten der Bundeswehr mittlerweile mehrere Tausend Einsatztage verbracht haben. Ein weiterer Effekt der Erneuerung war die über Strukturreformen eingeleitete sukzessive Verkleinerung des Personalumfangs der Bundeswehr mit der zuletzt die Aussetzung der Wehrpflicht einherging. Im Jahre 2006 wurde die Standortverwaltung Diepholz in der Bahnhofstraße aufgelöst, die Aufgaben dem Bundeswehrdienstleistungszentrum Oldenburg übertragen und als neues Organisationselement der Standortservice Diepholz im Fliegerhorst aufgestellt. Dabei hat sich die Zahl der Beschäftigten deutlich reduziert. Während im Jahr 2002 noch rund 1600 Personen beim Fliegerhorst beschäftigt waren, waren es im Jahr 2011 nur noch 1020 Soldaten und Zivilbedienstete.
Seit 1975 nutzt der Aero Club Diepholz den Flugplatz für die Sportfliegerei. Zudem nutzt die „Flugplatz Diepholz-Dümmerland GmbH & Co. KG“ seit 2000 die Startbahn als zivilen Flugplatz für Sport- und kleinere Geschäftsflugzeuge.

 

II. Der Fliegerhorst – heute

Der Fliegerhorst ist heute ein Militärflugplatz, der auch als Verkehrslandeplatz klassifiziert ist. Neben den zivilen Institutionen Flugplatz Diepholz-Dümmerland GmbH und Luftsportverein nutzten noch einige weitere Bundeswehrdienststellen den Fliegerhorst:

  • Waffensystemunterstützungszentrum 2,
  •  Systemzentrum 21 (Hubschrauberwerft),
  • Fliegerhorststaffel Diepholz,
  • Unterstützungspersonal für den Standortältesten,
  • Feuerwache Diepholz des Zentrum für Brandschutzwesen der Bundeswehr,
  • Stab und 6. Staffel des II. Bataillon des Objektschutzregiments der Luftwaffe,
  • Materiallager Diepholz als abgesetzter Bereich des Materialdepot Ochtrup,
  • Sanitätsversorgungszentrum (im Übergang) Diepholz,
  • Regionaler Unterstützungstrupp des Landeskommando Niedersachsen,
  • Bundeswehr-Dienstleistungszentrum Oldenburg vertreten durch:
    • Standortservice Diepholz,
    • Objektmanagement DH einschl. Geländebetreuung und Betriebstechnische Gruppe,
    • Sozialdienst,
    • Verpflegungsamt der Bw /Betreiber der Truppenküche

Die Servicestation der LH-Bekleidungsgesellschaft für die Bundeswehr sowie eine Außenstelle des Mobilitätscenters der Bundeswehrfuhrparkservice GmbH schließen die Auflistung der Dienststellen auf dem Fliegerhorst ab.
Diese Dienststellen nutzen größtenteils die Infrastruktur die aus 23 Unterkunftsgebäuden, 31 Dienstgebäuden und 57 Lagerhallen auf dem Gelände des Fliegerhorstes besteht. Dazu kommen noch 14 Hallen und Werkstätten für die Flugzeuge, 55.000 m² Freilagerfläche für Material und Geräte und einer Start- und Landebahn mit einer Länge von 1.283 Metern. Somit misst der Fliegerhorst eine Gesamtfläche von 209,5 ha.

 

III. Konversionsentscheidung

Es war der 26. Oktober 2011, als im Zuge der Bundeswehrreform die Mitteilung vom Bundesverteidigungsministerium kam, dass insgesamt 31 Bundeswehrstandorte bundesweit geschlossen werden und 90.000 Dienstposten abgebaut werden sollen. Im Zuge dieser Stationierungsentscheidungen wurde beschlossen, dass der Standort Diepholz in seiner Zielstruktur auf einen Dienstpostenumfang von unter 160 (von damals ca. 1.020) reduziert wird. Von den aufgelisteten Bundeswehrdienststellen verbleiben das derzeitige Materiallager Diepholz, der Regionale Unterstützungstrupp des Landeskommando Niedersachsen sowie Teile des BwDLZ Oldenburg am Standort Diepholz. Nach einer Restrukturierung der Lagerlogistik in der Bundeswehr wird das Materiallager Diepholz dann als eigenständiges Depot aufgestellt. Alle anderen Dienststellen werden an andere Standorte verlegt bzw. mit Aufgabe des Militärflugplatzes aufgelöst.
Bei den Soldaten und zivilen Mitarbeiter des Fliegerhorstes sowie den Diepholzer Bürgern sorgte diese Entscheidung für große Enttäuschung und Bestürzung. Kurzzeitig aufkeimende Hoffnungen wegen der nicht eindeutigen und interpretierbaren Stationierungsinformationen am Tag der Bekanntgabe zerschlugen sich bald, nachdem der Inspekteur der Luftwaffe und das Bundesministerium der Verteidigung die Verkleinerung des Standortes mit eindeutigen Informationen bestätigten.
Aus dieser Situation heraus verharrten Rat und Verwaltung, die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Diepholz sowie die Soldaten und zivilen Mitarbeiter aus dem Fliegerhorst nicht in einer „Schockstarre“, sondern begriffen dieses gemeinsam als Herausforderung für die Zukunft.

 

IV. Konversionsmanagement

Konversion steht für den Veränderungsprozess von Liegenschaften. Konkret bedeutet dies, die Umwandlung des von militärischen Flächen in Flächen für die zivile Nutzung. Um dies zu ermöglichen, müssen verschiedene Konversionsthemen vorab behandelt werden:

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Die Aufgaben des Konversionsmanagements wurde dem Fachdienst 1 „Zentrale Steuerung & Zentrale Dienste“ zum 01.08.2014 übertragen. Die Funktion des Konversionsmanagers übernimmt seit diesem Zeitpunkt Herr Klumpe, Leiter des Fachdienstes 1. Der gesamte Prozess in der Stadt Diepholz erfolgt in enger Kooperation mit dem Fachdienst 1, dem Fachdienst 3 „Gestaltung der Umwelt“, dem Referat für Finanzen und der WiSta.
Aufgabe des Konversionsmanagers ist die Koordination der verschiedenen Beteiligten innerhalb und außerhalb des Hauses, die Organisation und Steuerung des Gesamtprozesses sowie die Koordinierung der Beteiligungsprozesse. Des Weiteren ist es Aufgabe des Konversionsmanagements den engen Kontakt mit den beteiligten Stellen, wie der Bundeswehr, dem Landesbeauftragten für Konversion, dem Bundeswehrdienstleistungszentrum, der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) und den zuständigen Ministerien auf Landes-und Bundesebene zu halten.

Bereits 2011 wurden für das Projekt „Konversion“ drei Gremien gebildet, die unter der Federführung des Konversionsbüros der Wirtschaftsförderung (WiSta) neue innovative Konzepte zur Konversion auf dem Fliegerhorst Diepholz mit der Unterstützung des Bundes, des Landes Niedersachsen und des Landkreises Diepholz entwickelten und umsetzten. Unter der Leitung von Herrn Öhlmann als Geschäftsführer der WiSta konnten die ersten Aufbauphasen erfolgreich gestaltet werden. So wurden organisatorische Grundlagen geschaffen, Sitzungen durchgeführt und ein starkes Netzwerk aufgebaut. Die ersten Infrastrukturprojekte (Erwerb des Bahnanschlusses) und Grundstücksgeschäfte (Rettungswache für den DRK – Kreisverband Diepholz e.V.) konnten realisiert werden.

Mit dem Wechsel des Konversionsmanagements 2014 wurde zugleich die nächste Phase der Konversion gestartet. Schwerpunkt dieser zweiten Phase ist die konzeptionelle Entwicklung einer zivilen Nachnutzungsperspektive. Erster zentraler Baustein dieser Entwicklungsphase ist die Erarbeitung eines generischen Perspektivplanes.

 

V. Konversion – Akteure, Fakten, Unterlagen

Akteure:

Bundeswehr
Nach der politischen Entscheidung zur Bundeswehrreform aus dem Jahr 2011 ist geplant, dass die Luftwaffe den Fliegerhorst Diepholz verlässt. Sie verlegt nach aktueller Planung das Waffensystemunterstützungszentrum 2 mit dem Systemzentrum 21 (Hubschrauberwerft) bis zum Jahr 2021 nach Holzdorf/ Schönewalde in Brandenburg. Mit der Einstellung des Flugbetriebs am Standort Diepholz zu diesem Zeitpunkt wird die Fliegerhorststaffel Diepholz aufgelöst. Als weiterer Luftwaffenverband verlegt das II. Bataillon des Objektschutzregiments der Luftwaffe mit seinem Stab und der 6. Staffel nicht vor 2018 an den Zielstandort Schortens/Jever, bei Vorliegen der infrastrukturellen Voraussetzungen am neuen Standort.
Das Unterstützungspersonal für den Standortältesten sowie das Sanitätsversorgungszentrum (im Übergang) Diepholz werden mit Einnahme der Zielstruktur ebenfalls aufgelöst. Teilbereiche des Bundeswehr-Dienstleistungszentrums Oldenburg bleiben am Standort Diepholz weiterhin bestehen. Über den Bestand und Umfang der Feuerwache Diepholz des Zentrums für Brandschutzwesen der Bundeswehr wird erst nach einer umfassenden derzeit noch nicht terminierten Brandschutzbegutachtung der verbleibenden militärischen Infrastruktur entschieden.

Weitere Informationen rund um die Bundeswehr finden Sie hier.

 

Bundeswehr – Dienstleistungszentrum Oldenburg
Das Bundeswehr – Dienstleistungszentrum Oldenburg ist der Dienstleister für die Truppe vor Ort , betreibt u. a. die Unterhaltung der Liegenschaft des Fliegerhorstes Diepholz und ist Personal bearbeitende Dienststelle für die Arbeitnehmer am Standort.

Weitere Informationen rund um das Bundeswehr – Dienstleistungszentrum Oldenburg finden Sie hier.

 

Oberfinanzdirektion Niedersachsen
Die Oberfinanzdirektion Niedersachsen in der mittleren Instanz erkundet die Kriegsluftbilder, die bei den staatlichen Kampfmittelräumdiensten vorliegen, um eine planungsgerechte Umsetzung mit großer Sicherheit ermöglichen zu können. Durch diese Vorgehensweise kann eine beschleunigte Nachnutzung erreicht werden.

Weitere Informationen rund um die Oberfinanzdirektion Niedersachsen finden Sie unter nachfolgenden Links:

  • Oberfinanzdirektion Niedersachsen hier
  • Staatliches Baumanagement Niedersachsen (SBN) hier

 

Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben
Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) sorgt für die Vermarktung der Konversionsflächen. Sie veräußert in Abstimmung mit den Kommunen Konversionsflächen, um einen längeren Leerstand und den Substanzverlust bei werthaltigen Gebäuden zu vermeiden.

Weitere Informationen rund um die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben finden Sie hier.

 

Konversionsbeauftragter des Landes Niedersachsen
Herr Oberst a.D. Bacher steht als kompetenter Berater für die Standortkommunen, unter anderem auch für Diepholz, zur Verfügung. Er berät die Standortkommunen in allen Fragen der Konversion sowie die Durchführung von regelmäßigen Besuchen der betroffenen Kommunen.

Weitere Informationen zum Konversionsbeauftragten des Landes Niedersachsen finden Sie hier.

 

Fakten:

  • im Oktober 2011:  Bekanntgabe der Bundeswehrreform
  • im Juni 2012: Veröffentlichung der Realisierungspläne zum Stationierungskonzept
  • im März 2013: Planungsaktualisierung der Bundeswehr
  • im Januar 2014: 
      • Kauf eines Teilgrundstücks des Fliegerhorstes für den Neubau der DRK Rettungswache
      • Kauf der Gleisanlage zwischen dem Hauptgleis der DB und dem Sicherheitszaun des Fliegerhorsts

    Start des Perspektivplan-Prozesses

  • im Oktober 2014: Inbetriebnahme der neuen DRK Rettungswache
  • Februar – Juni 2015: Grundlagenermittlung des Perspektivplanes
  • Juli – August 2015: verschiedene Nutzungsvarianten durchgehen
  • September – November 2015: Perspektivplan erarbeiten
  • Dezember 2017: Abgesetzter Bereich des Systemzentrums 21 verlässt Rheine und kommt nach Diepholz
  • bis 2021: Geplante Verlegung der betroffenen Luftwaffenverbände Waffensystemunterstützungszentrum 2 und Systemzentrum 21 nach Holzdorf/Schönewalde

 

Unterlagen:

Den Aktionsplan „Konversion“ des Landes Niedersachsen  finden Sie hier.

 

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